Jesuitenbibliothek

Jesuitenbibliothek

Besonders stolz ist das St. Michael-Gymnasium auf die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte historische Bibliothek der Jesuiten. Darin befinden sich wertvolle Handschriften und Wiegendrucke aus dem 15. und 16. Jahrhundert. 

Die außergewöhnliche Bibliothek ist neben dem imposanten Schulgebäude aus der Gründungszeit der Jesuiten erhalten geblieben. Sie hat alle Wechsel überstanden, wurde weder von Franzosen noch von den Preußen fortgeschafft, von keiner Bombe direkt getroffen, von der Stadt an ihrem Standort belassen. Wie in einer Art Dornröschenschlaf hat sie in den dicken Mauern alle Gefahren überstanden und ist heute ein fast einmaliges Inventar einer öffentlichen Schule. Sie ist nicht herrschaftlich sondern schmucklos, aber ihr Inneres bewahrt erstaunliche Schätze.

Geblieben ist aber auch die Bibliothekstradition. Ohne das Herzstück Jesuitenbibliothek hätte die Schule sicher nicht die wunderschöne moderne Lehrer-Schüler-Bibliothek im zweiten Obergeschoss mit einer modernen Ausstattung samt Internet und einer Schülermutter als Bibliothekarin. In welcher Schulbibliothek sonst kann die Bibliothekarin auf Wunsch einen Katalog für ein Thema zusammenstellen, der neben den modernen Texten auch ganz alte Quellen beinhaltet? Das Angebot ist wahrlich groß. Man kommt zunächst durch zwei Vorräume, die Küche des Schülercafes und die Ausleihbibliothek der Abenteuerbücher der jungen Schüler. Danach geht man durch eine Stahltür in die zweistöckige 'mittelalte' Schulbibliothek mit den eigentlichen Schulbüchern der vergangenen Jahrhunderte. Hier findet man in großer Zahl Klassikerausgaben, wissenschaftliche Fachbücher, Belletristik und regionale Literatur der Zeit ab 1700.

Erst im letzten Raum kommt man dann in die alte Bibliothek der Jesuiten, schon am Papiergeruch der alten Bücher sofort erkennbar.

Als kleine Auswahl hier eine Auflistung und Ansicht der größten Schätze: das älteste Inventar sind Notenblätter (sog. Neumen) aus dem 11.-13. Jahrhundert, dann findet sich die wunderschöne mittelalterliche "Schedelsche Weltchronik" von 1493. Bei diesem Werk spricht man vom  größten Buchdruckprojekt der Dürerzeit, welches das ganze gesammelte Wissen seiner Zeit enthält. Die Kohlhoffsche 'Cronica van der hilliger Stat va Coelle' in kölschem Dialekt aus dem Jahr 1499 und der doppelbändige Atlas novus des Wilhelm Blaeu von 1634 gehören ebenfalls zu unserem Bestand.

Die Bibliothek besitzt 23 gebundene Handschriften, z.T. auf Pergament, unter anderem über das Leben des Bernard von Clairvaux, 76 Wiegendrucke aus der Zeit vor 1500, darunter die Cornelius-Celsus-Inkunabel.

Man findet praktisch alle Bücher des 16. und 17. Jahrhunderts, die für die Hexenproblematik von Bedeutung sind, die Cautio criminalis von Friedrich v. Spee (auf Deutsch und Lateinisch) den Hexenhammer Malleus maleficarum, den 'Gründlichen Bericht' von Prätorius, vor allem aber den sogenannten "Löher", die 'Hochnötige unterthanige wehmütige Klage' des  in Münstereifel geborenen  Rheinbacher Bürgermeisters Hermann Löher, ein Buch, das für unsere Regionalgeschichte bedeutend ist und nur noch in zwei Exemplaren vorliegt, in Amsterdam und  in unserer Bibliothek. Man findet als Schatz ein handschriftliches politisches Testament von Richelieu aus dem Jahr 1700, eine ganze Reihe großer Papstbullen in Pergament aus den Jahren um 1600 von Pius X, Innozenz IV und Sixtus IV, ein handschriftliches Dictum von Melanchthon und eine ganz frühe Lutherbibel von 1529.

Zu erwähnen sind noch frühe Newton-Ausgaben (von 1744 über Physik und Astronomie),  eine Geschichte des frühen Persiens, Werke von Paracelsus und Priestley, die berühmte Abhandlung über Fragen der Säulenarchitektur "Legon de perspective" von Androvet und vieles mehr. Nicht zuletzt kann man blättern in vielen alten Ausgaben der klassischen Autoren aus Rom und Athen, z.B. in den sechs Bänden der deutschen Übersetzung des "Corpus Juris Civilis", dem sogenannten "Codex Justianus aus dem Jahre 1830.

Die Bibliothek wird heute liebevoll betreut von zwei Lehrern, Herrn Schulten und Herrn Ismar.

Paul Georg Neft, 2007