Von (Wieder-) Begegnungen am St. Michael-Gymnasium zum Ehemaligenfest
Nicht nur bei diesem titelgebenden Statement geht Badia Freywald im Interview ein breites Lächeln über die Lippen. Die ehemalige Schülerin, die 2010 ihr Abitur am St. Michael-Gymnasium absolviert hat, zieht es immer wieder an unsere Schule, so auch anlässlich des großen Ehemaligenfestes am 30. Mai 2026. Sie erinnert sich an zahlreiche besondere Momente und diverse Herausforderungen in der Schulzeit sowie wachsende Freundschaften vor allem im klassen- und stufenübergreifenden Chor, die bis heute bestehen.
Badia ist am Nachmittag bei einer offenen Probe dabei, bei der die geradezu magische Energie zwischen der Chorleiterin Sylvia Paustian (Musik- und Französischlehrerin seit 1998) und dem vielstimmigen Chor aus zahlreichen Jahrgängen ehemaliger und aktueller Schüler*innen in Songs wie „California Dreaming“ spürbar wird. „I’d be safe and warm“ – dieses Gefühl verbinden viele in ihrer Erinnerung mit dem StMG, besonders mit der holzvertäfelten, alterwürdigen Aula im Herzen der Schule.
Und dafür müssen sie sich nicht nach einem warmen Kalifornien sehnen, denn es ist an diesem besonderen Tag sommerlich heiß. Bis kurz vor dem offiziellen Beginn um 15 Uhr hatten wir uns nicht wirklich vorstellen können, ob das Wetter halten und das über mehrere Jahre in einer Arbeitsgruppe entwickelte Konzept für eine solche Großveranstaltung, die das StMG in dieser Form mit etwa 1500 verkauften Tickets und einem Security-Aufgebot von 14 Mitarbeiter*innen des Sicherheitsdienstes NW Protection e.K. noch nie gefeiert hatte, aufgehen würde. Wir hatten angesichts der unklaren Wetterlage mit Regen und Gewitter gezittert und für den Notfall noch den bis dahin für einige Ehemalige unbekannten Mensaflur im Erweiterungsbau von 2011 vorbereitet. Mit den ersten strahlenden und staunenden Gästen kamen dann zum Glück stabiler Sonnenschein und flirrende Sommerstimmung zurück.

Mit kühlen und heißen Getränken, leckerem Kuchen und warmen Begrüßungsworten der Schulleiterin Anne Schorrlepp (Kunst- und Sportlehrerin seit 1996, Schulleiterin seit 2016) und des Bürgermeisters Sebastian Glatzel (Abitur am StMG 2002) kann das Event nun endlich richtig losgehen. Die Schulhöfe und das Quadrum verwandeln sich in einen geselligen Biergarten, in dem sich ehemalige und aktuelle Schüler*innen, Schüler*inneneltern, Mitarbeiter*innen und Lehrkräfte (diese Kategorien überschneiden sich und verschwimmen bei einigen, auch beim Autor dieser Zeilen) begegnen. Man sieht sich zum Teil nach langer Zeit wieder, stöbert in alten Ausgaben unserer Schulzeitung „Quadrum“ und lässt sich durch die verschiedenen Teile des labyrinthischen Schulgebäudes führen, das sich immer wieder verändert hat und einige Erinnerungen weckt, besonders beim Sitzen im ehemaligen Klassenraum. Nicht nur mit Hilfe der Ballons für jeden Abiturjahrgang der letzten gut 60 Jahre finden sich die Ehemaligen wieder.
Da sich ohnehin alles ein bisschen anders in Bewegung setzt als geplant, nehmen die immer noch ziemlich besten Freunde Jan Richter und Cassian von Marées ihren 2010er-Ballon einfach mit und deklarieren ihn als mobilen Meeting Point. Im Interview berichten die beiden von der Entwicklung ihrer Freundschaft und prägenden Erfahrungen, auch mit Lehrkräften: „Man war jung. Das waren Zeiten, wo man so ein bisschen leichtsinnig noch war. Die Schule war immer ein Ort, wo man Fehler machen konnte. Die wurden verziehen und man wurde immer wieder aufgenommen und hatte die Möglichkeit sich einfach zu finden. Mich erinnert das immer an Hogwarts hier, eine alte Schule mit Tradition, wo man geformt wird.“ Sie sind nicht die einzigen, die unser StMG mit der Welt von Harry Potter vergleichen.
Cassians Bruder Max hat mit mir vor genau 20 Jahren Abitur gemacht. Unsere WhatsApp-Gruppe, die im Laufe des Tages durch weitere Nummern und zahlreiche Videos und Fotos von heute und damals bereichert wird – darunter auch Aufnahmen unserer Theateraufführungen, die unser ehemaliger Deutsch-, Religions- und Literaturlehrer Wolfgang Schneider-Kroll (1989-2020) im Raum A.025 drapiert hat. Im Theaterkeller probt derweil unser aktueller Q1-Literaturkurs unter der Leitung von Thorsten Krause (Deutsch-, Geschichts-, Philosophie- und Literaturlehrer seit 2015) das Stück „Tote ohne Begräbnis“ von Jean-Paul Sartre, das im Juli aufgeführt werden soll. Nebenan im Werkraum lassen sich Kunstwerke ehemaliger und aktueller Schüler*innen in einer liebevoll zusammengestellten Ausstellung von Janina Lippmann (Kunstlehrerin seit 2015) und Genoveva Schmid (Deutsch- und Kunstlehrerin seit 2025) betrachten.
Sorgfältig kuratiert ist auch immer noch der Bestand unserer Ausleihbücherei im Erdgeschoss des Altbaus. Hier führen und filmen Luisa, Paula, Melissa und Lidy aus meinem 9er-Film-Differenzierungskurs die bereits erwähnten Interviews, die in unseren dokumentarischen Langfilm über alle Events in diesem besonderen Schuljubiläumsjahr einfließen. Im Gespräch erinnert sich die ehemalige Buchhändlerin und Schülermutter Edeltraud Kretschmer sichtlich emotional daran, wie sie diesen außergewöhnlichen Ort und das benachbarte legendäre Café Böhnchen – „das Herzstück“ – ab 1985 mitaufgebaut und bis 2012 geprägt hat. Judith Reckhard (Abitur 1992) findet im Gespräch mit den Schülerinnen sogar eine alte Bücherausleihkarte mit ihrem Namen. Das in den 1980ern ab der fünften Klasse charakteristische orangefarbene StMG-T-Shirt vermisst sie jedoch beim Merchandise-Stand auf dem unteren Schulhof.
Vermisst wird außerdem „dieses Unbedarfte, nicht zu wissen, was kommt, dieser Überraschungseffekt, manchmal positiv, manchmal negativ“ (Niklas Malburg, Abitur 2019). Abgerissene Kontakte nach all den Jahren stellen viele unserer Ehemaligen fest, „aber sich dann hier noch einmal zu sehen, ist einfach toll.“ (Marvin Reipert, Abitur 2009). Er erinnert sich an ungewöhnliche Verstecke (die an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden dürfen) und schätzt im Rückblick vor allem „das familiäre Feeling“ an unserer Schule und „Lehrer, die für dich da sind. Das war schon ne ganz besondere Community und dafür bin ich bis heute dankbar. Das hat mich im Werdegang nach der Schule intensivst geprägt.“ Auch Marco Büscher (Abitur 1994) bemerkt, dass sich nach seiner langen Zeit in den USA und im Vergleich mit seinem aktuellen Lebensmittelpunkt in Köln das StMG immer noch „wie Zuhause“ anfühlt, „sehr sicher, tolerant, abwechslungsreich. Die coolen Leute waren immer am Michael.“ Er vermisst die Mini-Ramp auf dem Schulhof aus den frühen 1990ern, die er als Mitglied einer Skaterclique gerne genutzt hat, und wünscht unserer Schule nur das Beste: „All the power to St. Michael-Gymnasium – weiter so!“
Die ehemaligen Schüler*innen berichten zudem von ungewöhnlichen Abischerzen mit Unterrichtsausfall, dem Glasgang voller Luftballons, Strohballen auf dem Schulgelände, einem zugemauertem Schultor, dem Schulhof voller Schaum mit tobenden Kindern, Tischlabyrinthen im Gebäude, weiteren Quests und Spielen, bei denen Schüler*innen gegen Lehrkräfte antreten, etwa aufblasbaren Wasserrutschbahnen, in denen man an Gummibändern festgebunden mit einem Klettball bergauf um die Wette rennen muss, bis hin zu selbstgemachten Foltergeräten für Lehrkräfte. Auch die spezielle Tradition des Einläutens am ersten Schultag und des Ausläutens bei der Abiturzeugnisvergabe ist unvergesslich. Die Abiturball-Veranstaltungen sind immer wieder ein Ort, bei dem nicht nur der jeweils aktuelle Abiturjahrgang feiern kann, sondern auch viele Ehemalige zusammenkommen, ähnlich wie bei diesem Ehemaligenfest. So haben sich Yvonne (Abitur 1995) und Matti Urlaß (Abitur 1996) bei Mattis Abiball kennen- und lieben gelernt.
Im aktuellen Schuljahr finden wegen der Umstellung auf G9 keine Abiturprüfungen und somit auch kein Abiball statt. Dennoch bietet das Ehemaligenfest mit DJ Jonas Sankowsky in der StMG-Turnhalle Gelegenheit zum Tanzen. Auf der Tanzfläche mischen sich einige Schüler*innen-Generationen, auch mein 2006er-Jahrgang und die mit uns eng verwobenen Nachbarjahrgänge finden sich hier beschwingt wieder. Nach dem stundenlangen Hopping von einem wunderbaren Gespräch zum anderem mit so vielen unterschiedlichen Menschen – ehemaligen und aktuellen (Mit-) Schüler*innen, Eltern und Kolleg*innen – tauche ich nun im Lichtermeer ab. In der Ecke hopsen meine Neuntklässler*innen – darunter auch zwei der Interviewerinnen – wild herum zu „I Gotta Feeling“ von den Black Eyed Peas. An die Erfüllung der Liedtextzeile „Tonight’s gonna be a good night“ hatte ich wegen der vielen logistischen Bedenken nicht immer ganz geglaubt. Doch alle Sorgen sind nun längst vergessen. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt und die Party könnte gerne noch weitergehen, aber um Mitternacht müssen wir leider das Gelände räumen. Einige Nachteulen ziehen noch in die Burg zur After-Party, während bei uns die ersten Aufräumarbeiten in Anbetracht des nun wieder strömenden Regens anstehen. „Das war ne verdammt gute Veranstaltung!“, konstatiert Martin Bitterberg (Abitur 2005, Mathe- und Erdkundelehrer seit 2010) stolz und erleichtert, der mit mir (Abitur 2006, Englisch-, Spanisch- und Filmlehrer seit 2015) als weiterer Ehemaliger unser Planungskommitee zusammen mit Schulleiterin Anne Schorrlepp, Franziska Merten (Physik- und Chemielehrerin seit 2013) und Patrick Stewart (Englisch- und Geschichtslehrer seit 2005) geführt hat. Wir sind nach diesem ereignisreichen Tag und den Aufräumarbeiten am Folgetag körperlich und emotional überwältigt, aber sehr zufrieden, vor allem angesichts der zahlreichen euphorischen Rückmeldungen, die wir erhalten. Ob wir solche Ehemaligenfeste nicht öfter veranstalten können?
Wir bedanken uns bei allen, die diese Großveranstaltung möglich gemacht haben, besonders für die großzügige Unterstützung bei Kollegium und Eltern, Getränkehandel Bresgen, Leon Heinen von Ahrkustik und den Catering-Teams vom Eiswerk, von Flower Power, The Big Fry Up und La Flamme. Ohne die Tatkräftigkeit unserer aktuellen Schüler*innen hätten wir Organisation, Aufbau, Abbau sowie Verkauf von Kaffee, Kuchen und Kaltgetränken in dieser Form nicht umsetzen können. Vor allem den Jahrgangsstufen EF und Q1, meinem 9er-Filmteam, der Technik-AG und der Jazz-AG rund um Mathe-, Philosophie- und Musiklehrer Sebastian Braun gilt ein besonderer Dank.
In unserer 2006er WhatsApp-Gruppe schmieden wir nun bereits neue Pläne. Einige, die beim Ehemaligenfest leider nicht dabei sein konnten, werden es vielleicht im September zu einem weiteren Treffen schaffen. Das Ehemaligenfest zum 400jährigen Schuljubiläum hat definitiv für neue Impulse in unserer großen Schulgemeinschaft gesorgt.
Text und Bilder: Herr W. Mertens