Wer sich am 15. Juli mittags bei strahlendem Sonnenschein auf unser Schulgelände begab, betrat wortwörtlich eine andere Welt und tauchte ein in eine mittelalterliche Jahrmarktstimmung. Eröffnet wurde der Nachmittag mit historischem Entertainment: Jongleure und Gaukler zeigten ihr Programm auf dem Schulhof, begleitet von mittelalterlicher Musik. An den Buden gab es einiges zu entdecken und zu erstehen – von selbstgemachter Seife über bemalte Steine und Tontöpfe bis hin zu Brotaufstrichen und sogar selbstgebrautem Bier. In der Kreativwerkstatt konnten außerdem Mäppchen mit eigenen Motiven bedruckt werden. Auch die beliebten Blumen aus Pfeifenputzern, mit denen man viele Gäste über das Schulgelände spazieren sah, gab es dort zu kaufen oder unter Anleitung selbst zu basteln. Laut und lustig wurde es bei den vielen selbstgebastelten mittelalterlichen Spielen, die unter Anfeuern und Applaus ausprobiert werden konnten. 

Unter den zahlreichen Besucher*innen freuten wir uns besonders über den Besuch von Bürgermeister Sebastian Glatzel sowie über die vielen Eltern, Großeltern und Geschwister, die den Nachmittag zu einem echten Fest für die ganze Familie machten. Sehr zur Freude der Schüler*innen mischte der Bürgermeister kurzerhand bei einem der Spiele mit, die unsere Schülermutter Kerstin Sauer vorbereitet und motivierend begleitet hatte. 

Vorausgegangen war dem Jahrmarkt eine Projektwoche, in der sich die Schülerinnen und Schüler anlässlich des 400-jährigen Bestehens in 30 Projektgruppen auf ganz eigene Weise dem Jubiläum angenähert hatten. Die Woche gipfelte im Jahrmarkt, der so den feierlichen Abschluss unseres Jubiläumsjahres bildete. 

Beim Schlendern durch die Projektbereiche wurde schnell klar: Die Herangehensweisen an das Thema 400 Jahre Schulgeschichte hätten kaum vielfältiger sein können.

Eine Gruppe kunstinteressierter Schüler*innen stellte sich die Frage, wie eigentlich vor Jahrhunderten gemalt wurde, lange bevor es Acryl- oder Ölfarben aus der Tube gab. Beim Projekt „Malen wie die alten Meister” wurde Eitempera nach historischem Vorbild selbst angemischt und angewendet, sodass eine vielfältige Ausstellung mit ganz unterschiedlichen Motiven entstand. Jayson (EF) war besonders stolz darauf, sich einen Umgang mit dem neuen Material angeeignet zu haben – so braucht Eitempera beispielsweise recht lange, um zu trocknen, gleichzeitig birgt die jeweilige Konsistenz die ein oder andere Herausforderung. 

Sportlich wurde es bei „400 Jahre – 400 Kilometer”. Hier machten sich Schüler*innen auf, das Jubiläum buchstäblich mit dem Rad abzufahren – auf fünf Etappen wurden durchschnittlich 80 km auf dem Rad am Tag bewältigt. Viele Schüler*innen wuchsen hier über sich hinaus. Alle kamen gesund und munter wieder am StMG an und wurden von den anderen Projektgruppen, die Spalier standen, begeistert und unter Jubel am Schultor empfangen. Fiona (Q1) hob neben der sportlichen Herausforderung besonders das Gruppengefühl während der Radfahrten hervor, das jahrgangsübergreifend neue Freundschaften entstehen ließ.

Deutlich ruhiger, aber nicht weniger spannend ging es beim Brotbacken zu. Unter dem Titel „Brot backen wie vor 400 Jahren” wurde erkundet, welcher Schritte es bedarf, um am Ende einen Laib Brot anschneiden zu können. Die Gruppe probierte sich durch verschiedenste Rezepte – neben Brot wurde auch das Kuchenbacken sowie die Herstellung von Pizza und Cookies geübt. Eine weitere Projektgruppe, die sich der Herstellung von Marmeladen und Dips gewidmet hatte, konnte ihre Köstlichkeiten gleich auf dem frisch gebackenen Brot zur Verkostung anbieten.

Musikalisch wurde es schließlich bei den Moritaten, einer alten Form des singenden Erzählens: Begleitet von kleinen Visualisierungen interpretierten die Schüler*innen lebendig ihre Lieder. Tilda und Minze (beide 6b) waren überrascht davon, wie blutrünstig diese teilweise waren – so auch die von der Gruppe vorgetragene Moritat „Der Mord in Ramsdonk”.

Auf ihre Kosten kamen aber auch Rätselliebhaber*innen. Gleich zwei Projektgruppen hatten sich zur Aufgabe gemacht, in liebevoller Kleinstarbeit Escape-Games zu gestalten, einmal mit dem Schwerpunkt Biologie, einmal mit dem Schwerpunkt Schulgeschichte, bei dem der Schlüssel des heiligen Michael gefunden werden musste. So sah man während des gesamten Jubiläumsnachmittags Schüler*innen und Gäste knobelnd und nachdenkend über das Schulgelände ziehen und verschiedene Codes in Schlösser eingeben …

Zwischen frisch gebackenem Brot, leckeren Aufstrichen, selbst gemischter Eitempera, geknobelten Rätseln, Moritaten-Klängen und Berichten von der Radtour wurde an diesem Nachmittag mehr als nur gefeiert – es wurde sichtbar, was 400 Jahre Schulgeschichte für die Menschen bedeuten, die heute an dieser Schule lernen. Mit dem Jahrmarkt fand so nicht nur die Projektwoche, sondern ein ganzes Jubiläumsjahr voller besonderer Momente seinen würdigen Abschluss. Kein Wunder also, dass sich viele Schüler*innen mehr solcher Projekttage wünschen. 

Text: Fr. Martini
Fotos: Fr. Regh, Fr. Sauer,Fr. Kuschel, P. Pomplun, D. Verlinden, Fr. Simon